Mysore

Begegnung in einem Dorf, Karnataka Vom Mudumalai Park geht die Fahrt weiter nach Norden in den Bundesstaat Karnataka. Unterwegs legen wir ein paar kleinere Stopps ein, unter anderem in kleinen Dörfern längst der Straße. Hierher verirren sich scheints nur sehr selten Touristen, was sich in einer unübersehbaren Neugierde der Bewohner zeigt. Noch bevor wir aus dem Auto ausgestiegen sind, werden wir meist von einer anwachsenden Menschentraube umringt, die erstmal schweigend und schüchtern die Szene und vor allem uns beobachtet. Meist findet sich jemand, der ein wenig Englisch spricht und nach den ersten gewechselten Worten bricht das Eis. Oft gibt es dann was zusammen zu Lachen, wir werden meist gebeten, Fotos zu machen und diese dann im Display vorzuzeigen, was immer wieder Begeisterung hervorruft. Häufig werden wir irgendwann zum Tee eingeladen, verschenken dafür Zigaretten. So freut sich jeder über die kurze Begegnung mit den "Exoten", die wir für den jeweils anderen darstellen.
Unser Ziel für den heutigen Abschnitt ist die ehemalige Maharajastadt Mysore, die wir bereits am späten Mittag erreichen. Das lässt uns ausreichend Zeit, uns ein wenig die Stadt anzusehen, nachdem wir in einem ganz ansprechenden und zentralen Hotel eingecheckt und ein feurig scharfes Mittagessen vezehrt haben.

Maharajapalast von Mysore Mysore ist eine quirlige Stadt mittlerer Größe, die außer einigen Moscheen als Sehenswürdigkeit in erster Linie den riesigen Maharajapalast zu bieten hat. Dieses aufwändig gestaltete Bauwerk im orientalischen Stil liegt mitten in der Stadt und ist einen oder auch mehrere Blick wert. Zum Glück ist Sonntag, das bedeutet der Palast wird abends für eine Stunde mit tausenden von Glühbirnen in ein Lichtermeer verwandelt. Diesen Anblick lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen und kehrten später noch einmal zum Palast zurück. Dort herrscht dann ein wenig Volksfeststimmung mit vielen fliegenden Händlern und einer Musikkapelle, dazu erstrahlt das Gebäude wie ein Märchenschloß aus 1000 und einer Nacht.
Viel gibt es im weiteren gar nicht über diese Stadt zu berichten, ich frage mich schon, warum ich ihr ein eigenes Kapitel widme. Wir besuchen noch einen großen Markt, immer wieder eine Augenweide. Auch hier leuchten wieder die kunstvoll aufgeschichteten Gewürze und Farbpulver in der Sonne, selbst das Obst wird in Pyramiden angeordnet und zuvor auf Hochglanz poliert. Auf den umliegenden Straßen zeigt sich die übliche Mischung aus vielen Menschen, Bettlern und umherstreifenden Kühen, die hier komischer Weise teils gelb eingefärbt sind. Ein weiteres Kuriosum ist ein mit Mikrofon und elektrischem Verstärker ausgerüsteter Prediger, der mit mir eine Art Kurzinterview durchführt.


Trenner, Globus und Linie horizontal

Den Rest des Abends verbringen wir in unserem gemütlichen und geräumigen Hotelzimmer, dort wollen wir auch noch Essen und Trinken ordern. Den darauf folgenden Ablauf habe ich als eine Art kleines Hörspiel protokolliert, einfach als eine typische Begebenheit, die sich natürlich fast genau so tatsächlich ereignet hat. Der Dialog ist in einer Art Englisch verfasst, wie es eben vor Ort üblich ist, eine Übersetzung habe ich nicht vorgenommen.
In den Hauptrollen: der Zimmerkellner (K) und wir, die Gäste (G), Achtung - Satire!

Nach Studium der im Zimmer ausliegenden Speisekarte rufen wir telefonisch den Kellner zum Zwecke der Bestellung herbei. Dieser stürmt nach kurzer Zeit (ohne Anklopfen) ins Zimmer.
K: what you wannn?
G: geben Bestellungen auf.
K: Abgang.
K: Stürmt ins Zimmer: Sorry Sir, Tikka Masala not available!
G: geben neue Bestellungen auf.
K: Abgang.
K: Stürmt ins Zimmer, bringt zwei Bier: Open?
G: Yes, please.
K: Öffnet eine Flasche, verschüttet einiges, Abgang.
G: Probieren das Getränk der Marke "Knock-Out", schmeckt nicht sooo überzeugend.
K: Stürmt ins Zimmer mit Lappen, wischt Bier auf: Sorry, Sir.
G: Wollen das noch geschlossene Knock-out umtauschen. Is it possible to get one Kinghfisher Beer instead of this?
K: Etwas ratlos, nimmt aber das geschlossene Bier mit, Abgang.
K: Stürmt ins Zimmer und bringt die Rechnung für zwei Bier, Abgang.
K: Stürmt ins Zimmer und bringt das Knock-out zurück. Sorry, cancel not possible!
G: Cancel? Oh, no we just want to change it, we would like one bottle of Kingfisher, ok?
K: Nimmt Geld für die Getränke und das Knock-out mit, Abgang.
Manager: Ruft uns an: I'm sorry. Sir, cancel not possible, it is already booked in system!
G: ah?! ...ok
K: Stürmt ins Zimmer und bringt das Knock-out zurück. Sorry, cancel not possible, is already booked in system!
G: ok, ok. This is maybe a Microsoft problem...
K: Abgang.
K: Stürmt ins Zimmer, bringt Wechselgeld für die Getränke, Abgang.
G: Trinken dann doch das Knock-out, haben Hunger.
− Stille −
K: Stürmt ins Zimmer, bringt das Essen, wovon allerdings nur 50% der Bestellung entspricht.
G: Excuse me... is this chicken? We did not order any chicken.
K: Oh, yes Sir, chicken. Nickt freudig.
G: Schweigen lieber, da sehr hungrig.
K: Abgang
G: Essen, es schmeckt zugegebener Maßen ausgezeichnet!
K: Stürmt ins Zimmer und bringt die Rechnung für das Essen, Abgang.
G: Essen alles auf und sind zufrieden.
K: Stürmt ins Zimmer.
G: Is it possible to sign the bill and pay when we check out? Because we paid already a deposit.
K: Yes, ok, you sign. Abgang mit der Rechnung.
K: Stürmt ins Zimmer Sorry, Sir, you must pay cash now! Is already booked in system!
G: Geben sich geschlagen und zahlen. Ok, I see. No chance against the evil system...
K: Abgang.
K: Klopft (!!!) Kommt herein und bringt Wechselgeld. Everything ok, Sir?
G: Well, everything ok, thanks. Good night.
This is India...

Nach diesem nicht ganz ernst gemeinten Schwenk geht der Tag in Mysore dem Ende entgegen und wir rüsten uns mit Schlaf für die folgende letzte Tagesetappe mit dem Auto.

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