Tonle Sap

[2004]
Um noch etwas außer
den Tempeln zu sehen, wollen wir dieses Mal auch eine Bootsfahrt auf
dem Tonle Sap machen.
Seit
Ende 2003 gibt es eine Neuerung: auf dem Weg zwischen Siem Reap und
dem Bootsanleger am See hat die Polizei einen „Checkpoint“
errichtet und hält alle Fahrzeuge an. Wer eine Bootsfahrt machen
möchte, muss ein Ticket bei der Polizei für 10 US$ kaufen,
direkte Verhandlungen mit den Bootsbesitzern sind nicht mehr möglich.
Der Großteil des Betrages wandert nach Auskunft einiger
Einheimischer in die Taschen der Polizei, was allerdings als
„normales“ Zusatzeinkommen gesehen wird. Angesichts eines
Monatslohns von etwa 20 US$ ist natürlich nicht verwunderlich,
dass die Polizisten auch ein wenig vom Kuchen Tourismus abhaben
möchten. Die Leittragenden sind in diesem Fall aber die
Bootsbesitzer, deren Umsatz sich eher verringert hat.

Der
riesige See ist einer der größten Fischlieferanten
Südasiens und ökologisch einzigartig. Neben hunderten von
Fisch- und Vogelarten ist er Grundlage für den Reisanbau in den
fruchtbaren Ebenen rundherum. Zur Regenzeit wechselt der Tonle Sap
Fluss seine Fließrichtung und läuft statt in den Mekong
zurück in den See, der auf ein vielfaches seiner Größe
anschwillt und weite Teile überschwemmt. Zur Trockenzeit
hinterlässt er dann fruchtbares Sumpfland. Bedroht ist dieser
ganze Prozess allerdings durch diverse Staudammvorhaben am Mekong,
vor allem in China.
Auf dem See gibt es etliche schwimmende Dörfer, die je nach Wasserstand komplett "umziehen" und momentan zur Trockenzeit etwa 10 Kilometer weiter weg liegen von Siem Reap als vor ein paar Monaten. Dort schwimmen auch Schulen, Kirchen und sogar Kuhställe! Alles bewegt sich natülich per Boot.
![]()
Eine Schattenseite unserer Kambodscha-Besuche war sicherlich die allgegenwärtige Armut. Die Infrastruktur ist auch heute noch desolat. Unter anderem der Vietnamkrieg bescherte dem Land einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg, der erst vor wenigen Jahren mit dem Tod Pol Pots und der Aufgabe der Roten Khmer (1998) endete. Die letzten Machthaber des Khmer-Rouge-Regimes leben heute größtenteils unbehelligt in Paillin nache der thailändischen Grenze, eine Aufarbeitung der Diktatur und Kriegsjahre ist bisher nicht erfolgt.
Eine schillernde Persönlichkeit, die seit Jahrzehnten die Geschicke des Landes mitbestimmt, ist der nicht unumstrittene König Norodom Sihanuk. Sehenswert und kurios ist dessen Homepage: wohl als einziges (mittlerweile Ex-)Staatsoberhaupt liefert König Sihanouk hier täglich handschriftliche Kommentare zum politischen Geschehen. Ausserdem können von ihm komponierte und gesungene Lieder heruntergeladen werden.
Rund
um den Markt von Siem Reap zeugen etliche Mienenopfer davon, dass der
Krieg hier noch nicht allzu lange her ist. Millionen Mienen
verseuchen noch heute große Teile des Landes. Frieden und eine
richtige Stabilität sind auch noch nicht erreicht, wie kurz vor
unserem Besuch noch die Ausschreitungen in Phnom Penh mit dem
Niederbrennen der thailändischen Botschaft und einiger Hotels
zeigten. Es wird gemutmaßt, dass diese auch im Zusammenhang mit
den im Juli (2004) anstehenden Wahlen seitens der Politik angeheizt wurden.
Die
Parlamentswahlen im Juli 2003 gewann die CCP mit dem bereits seit
Jahren mächtigsten Mann im Staate, Hun Sen. In Sachen fairer
Wahl hat das Land wohl zwischenzeitlich einen Schritt nach vorne
gemacht, aber auch diesmal gab es im Vorfeld, wie bei den
Kommunalwahlen im Frühjahr, duzende ungeklärte Morde an
(Oppositons-)politikern. Wer mag da an Zufälle denken... Der
letzte Schritt von Pol Pot bis in die „Normalität“
ist doch noch weit entfernt.
Wir haben uns aber dennoch ausgesprochen wohl gefühlt und bei unserem kleinen Einblick von Kambodscha nicht nur architektonische Schätze und schöne Landschaft, sondern auch sehr freundliche Menschen kennengelernt.