2. Tag in Moskau
Am nächsten Morgen zeigt sich die Stadt zunächst grau in grau unter einem Dunstschleier. Der dichte Qualm von den Waldbränden in der Umgebung hat sich aber zum Glück seit einer Woche verzogen.
Wir
nehmen an einer Stadtrundfahrt teil, dem einzigen Programmpunkt den
wir mitgebucht haben. Alles wirkt passend zum Himmel etwas trist,
viel Beton und Plattenbauten. Der erste Stop wird am Roten Platz
eingelegt. Hier bessert sich die Stimmung schlagartig und nach und
nach kommt auch die Sonne durch.
Der riesige Platz ist sehr
beeindruckend und kann heute, da das Lenin-Mausoleum geschlossen hat,
komplett begangen werden. Vorbei an der Kremlmauer, Mausoleum und GUM
sammeln wir die ersten Eindrücke des alten und prächtigen
Moskau. Vom anderen Moskwa-Ufer bietzet sich dann ein toller Blick
auf den Kreml mit goldglänzenden Kuppeln vor mittlerweile blauem
Himmel.
Weitere Programmpunkte sind diverse Kirchen und das Neujungfrauenkloster im Schnelldurchgang. Das meiste werden wir später noch in Ruhe ansehen, die Rundfahrt ist als erster Überblick aber nicht schlecht. So kommen wir auch zu den Sperlingsbergen an der Lomonosow-Universität und haben von da einen ganz schönen Panoramablick.
Nachmittags
ziehen wir dann auf eigene Faust los und laufen vom Hotel in Richtung
Innenstadt. Jenseits der Moskwa geht es über den Neuen Arbat,
eine unter Chruschtschow angelegte Vorzeigemeile des Sowjetstaates.
Das heisst: riesige Hochhäuser, viel Beton, kein Charme. Im
Moment wird hier gebaut und erneuert. Das Strassenbild hat sich in
den letzten Jahren wohl viel geändert, die grauen Fassaden sind
heute mit Leuchtreklame im Stil der 70er zugepflastert und neue
Einkaufszentren machen aus der Straße eine Konsummeile mit
westlichem Way of Life. Die Preise in den Geschäften und
Boutiquen sind hier allerdings enorm hoch, meist über deutschen
Niveau. Für die Mehrzahl der Russen bleiben sie unerschwinglich,
dennoch kaufen hier hauptsächlich die besserbetuchten
Einheimischen, da die Preise auch für Ausländer nicht
sonderlich attraktiv sind.
Überhaupt zählt Moskau was die
Hotel- und Restaurantpreise angeht zu den teursten Grosstädten
Europas.
Wir
spazieren weiter über den alten Arbat, eine Fußgängerzone
mit Altstadtflair. Hier wurde und wird restauriert, es gibt noch
viele alte Häuser und ein relativ geschlossenes Straßenbild,
was man in Moskau sonst eher selten findet. Natürlich wirkt das
ganze trotzdem nicht, da die Straße als Touristenmeile angelgt
ist und hauptsächlich aus unzähligen Souvenirständen
und -shops, Fastfoodrestaurants und „westlichen“ Cafes
besteht.
Nach
dem Abendessen geht's zum ersten Mal in die Metro. Am Abend ist hier
nicht ganz soviel Betrieb, wir fahren also eine ganze Zeit von
Station zu Station und bestaunen die „Paläste für's
Volk“. Viele der Bahnhöfe sind in ihrer Schönheit
wohl einzigartig.
Die nächstgelegene Station für unser Hotel ist der Kiewer Bahnhof, von da sind es noch 20 Minuten zu Fuss. Die Bahnhofsumgebung ist ziemlich suspekt, läd am Abend nicht unbedingt zum Verweilen ein. Dafür gibt es hier die Kioske mit den billigsten Zigaretten der Stadt.
3. Tag in Moskau
Wir frühstücken erst nach 9, was den Vorteil hat, dass die meisten Reisegruppen jetzt schon unterwegs sind und man sich das unglaubliche Gedrängel im Frühstücksraum erspart. Außerden steigen wir auf Tee um, der Kaffee ist eher ungenießbar.
Mit
dem O-Bus geht es dann zum Roten Platz, den wir uns heute nochmal in
Ruhe ansehen. Dazu gehört auch ein Bummel durch das Kaufhaus
GUM. Hier überzeugt heute noch die Architektur, das Warenangebot
ist allerdings das selbe wie in Paris, Berlin oder sonstwo und vor
allem teuer.
Der
Rote Platz ist heute bis auf den Bereich vor dem Mausoleum frei
zugänglich, statt wachsamer Blicke der Miliz verfolgen uns
Scharen von Andenkenverkäufern. Wir konsultieren lieber die
Eisverkäuferin vor dem GUM, auch wenn das Eis etwas wässrig
schmeckt.
Während
die anderen eine gute Stunde anstehen für das Lenin-Mausoleum,
spaziere ich lieber noch etwas auf dem Gartenring (wo hier Gärten
sein sollen, weiss auch kein Mensch). Mit den Hotels Metropol und
National gibt es hier zwei schöne Bauten des Stil Modern, der
Russischen Jugendstilvariante, zu sehen. Vorbei am Bolschoi-Theater
geht es weiter zur Lubjanka, an diesem Platz steht das ehemalige
KGB-Hauptquartier. Auf alten Stadtplänen ist an dieser Stelle
ein weißer Fleck.
Zwischen
Lubjanka-Platz und Kreml komme ich durch ein paar ruhige Gassen mit
einem Mischmasch von Architektur aller Stile und Bauzeiten. Die
restliche Zeit bis zum vereinbarten treffpunkt verbringe ich in der
Wawarka-Strasse. Hier reiht sich Kirche an Kirche, ein schönes
Farbspiel vor der tristen Fassade des riesigen und superhäßlichen
Hotels Rossija.
Am
Nachmittag besichtigen wir den Kreml. Erstmal heisst es, eineinhalb
Stunden anstehen für die Tickets. Dies liegt weniger an der
Verkäuferin, die fließend Englisch spricht und sich
redlich müht, als an Besuchern, die sich bei der Menge der
verschiedenen Tickets und Rabatte nicht entscheiden können (mit
oder ohne Museen, Kathedralen, Extraticket für's Fotografieren
etc.).
Endlich
ist es geschafft. Der erste Blick innerhalb der Kremlmauern fällt
auf eine riesige Kongresshalle im Stil „Palast der Republik“,
Realsozialismus von Chruschtschow zwischen die alten Gebäude
geklotzt. Getrennt durch die breite Strasse geht es vorbei an Putins
Amtssitz. Jedes Betreten der Strasse wird mit Trillerpfeife und
hektischen Gesten des Wachpersonals geahndet, verständlich,
befindet sich hier doch die Schaltzentrale einer Großmacht.
Das
Zentrum des Kreml gehört dann wieder den Touristen, entsprechend
voll ist es. Wir verbringen hier dennoch den ganzen Nachmittag in den
zahlreichen Kathedralen und dem Park.
Am Abend fahren wir nochmal ins Stadtzentrum, Kreml und Moskwa bei Nacht sind ein toller Anblick. Da es erstmal regnet , dehnen wir die Fahrt aus und sehen und noch die ein oder andere Metrostation an. In einer Unterführung am Arbat findet ein inprovisiertes Rockkonzert statt, viele Leute und gute Stimmung (wo haben die eigentlich den Strom her?). Etwas kompliziert war nur, per Bus zurückzufahren, so dass wir schließlich auf eines der vielen „Privattaxis“ ausweichen. Viele private PKW's fungieren nach wie vor als Taxi und es dauert meist nur Sekunden, bis jemand anhält sobald man mit leicht ausgestrecktem Arm am Strassenrand steht. Da wir zu viert sind, erscheint uns das ganze wenig riskant (Reiseleiter warnen regelmäßig vor der Fahrt in Privatwagen) und wir kommen für relativ kleines Geld wieder zum Hotel.