[2006]
Ein Besuch von Bagan darf auch beim zweiten Mal auf keinen Fall fehlen. Wir wohnen
wieder im Thande Hotel und freuen uns an unserem Bungalow mit Pagodenblick von der
Terrasse, den wir abends gerne genießen.
Vorher suchen wir das Restaurant Mi San in Alt-Bagan auf. Der Kellner erkennt mich
vom letzten Jahr und entsprechend werden wir auf das herzlichste begrüßt,
da hatte ich nun gar nicht mit gerechnet. Schnell wird klar, was unser Stammlokal in
den nächsten Tagen sein wird. Das Essen schmeckt, die Freundlichkeit ist umwerfend und
notwendige Einkäufe wie Zigaretten können wir hier auch erledigen.
Um fünf ist mal wieder die Nacht rum. Mit Tun-Tun, dessen Kutsche wir für
die nächsten zwei Tage gemietet haben, fahren wir zum Sonnenaufgang los. Der
Mingala-Zedi mit dem traumhaften Ausblick darf mittlerweile leider nicht mehr
bestiegen werden, als Alternative wählen wir den Minyeingon Tempel. Leider
wurden auch die Tempel- und Straßenbeleuchtung mit Neonröhren aus fotografischer
Sicht nicht gerade vorteilhaft verändert, was den Ausblick etwas trübt.
Es ist bewölkt und recht kühl, ich hätte nie gedacht an diesem Ort mal
frieren zu können. Für den nächsten Sonnenaufgang werden wir unsere auf dem Schiff
gekauften Decken mitnehmen.
Nach dem nicht ganz gelungenen Sonnenaufgang gibt es erstmal das Frühstücksbuffet
im Thande, dann geht es wieder mit der Kutsche los kreuz und quer durch das Pagoden-Feld.
In einem Dorf bekommen wir wieder eine Shin-pyu, die feierliche Einführung der Novizen
ins Kloster mit prächtigen Umzügen, mit. So verbringen wir den ganzen Vormittag im
Dorf, wo es auch sonst das ein oder andere zu entdecken gibt.
Nachmittags fahren wir an den Ostrand von Bagan zum Sonnenuntergang. Unterwegs treffen wir nur
ein paar Viehherden, die mächtig Staub aufwirbeln. Die Pfade durch die Tempellandschaft
sind nach wie vor nicht sehr überlaufen. Der Sonnenuntergang hat mit dem bewölkten Himmel
einen besonderen Reiz, die Wolken färben sich blutrot. Wir bleiben oben auf dem Tempel sitzen bis
das letzte Licht verlöscht und freuen uns an der Stille und dem Ausblick.
Als wir herunter steigen, eine große Überraschung: wir finden unsere Kutsche, aber von
Kutscher und Pferd keine Spur. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen, wir stehen mitten in der dunklen
Pampa. Sollte das etwa unser Pferd gewesen sein, das wir da kurz vor Sonnenuntergang
in einer Staubwolke Richtung Horizont gallopieren sahen?
Genauso war es. Nach einer Viertelstunde kommt Tun-Tun mit einer anderen Kutsche, sein Pferd im
Schlepptau. Das hatte wohl Hunger und ist zurück zum Standort in Alt-Bagan durchgebrannt.
Dem Kutscher ist das erstmal etwas peinlich, wir ärgern uns aber absolut nicht über
diese Geschichte und lachen schließlich alle zusammen.
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Auch am nächsten Tag quälen wir uns wieder um fünf aus den Federn und nehmen einen neuen Anlauf zum Sonnenaufgang. Diesmal testen wir die Shwesandaw Pagode als Standort, wo allerdings deutlich mehr Betrieb herrscht. Die Wolken sind heute verschwunden und wir bekommen einen 1A Sonnenaufgang zu sehen, der für das frühe Aufstehen voll und ganz entschädigt.
Im Sonnenschein fahren wir im Laufe des Tages noch etliche Pagoden an und sehen die Landschaft noch einmal
im richtigen Licht. Wir besteigen menschenleere, einsame Tempel. Von oben Tempel soweit das Auge
reicht, karge Landschaft mit ein paar Viehherden, Stille bis auf die Musik die von der Novizenfeier
in Myinkaba leise herüberplätschert. Stundenlang könnte man die meditative Stimmung einfach
wirken lassen.
Wir sehen uns noch ein weiteres Dorf an, wo von alten Frauen die dicksten Cheroots (Zigarren) geraucht werden,
die ich bisher gesehen habe. Dann klettern wir nochmal auf die Shwesandaw-Pagode zum Sonnenuntergang. Da sie der
populärste Ort ist, wird es rappelvoll. So viel war letztes Jahr noch nicht los, ich zähle
zehn Reisebusse. Neben uns auf der obersten Plattform hat sich ein Kamerateam des koreanischen Fernsehens
postiert und die Aufpasser des Militärs fotografieren sich gegenseitig vor der Tempelkulisse.
Wir verabschieden uns von Bagan, von Tun-Tun, der uns beste Dienste geleistet hat und vom Mi San, wo heute besonders üppig aufgetischt wird.