Nach
den zahlreichen Tempeln sollten dann von Yangon aus noch ein paar
Tage am Meer zum Relaxen drin sein. Die Wahl fällt nicht leicht,
Chaungtha oder Ngwe Shaung? Schließlich entscheide ich mich für
Chaungtha, da etwas preiswerter und weil ich befürchte, in Ngwe
Shaung vielleicht etwas in einem Resort zu vereinsamen. Eine
eventuelle Mitfahrgelegenheit hatte sich zwischenzeitlich auch
erledigt.
Zunächst
geht's frühmorgens per Flug zurück nach Yangon. Ich will
dann möglichst am selben Tag noch weiter zum Meer, was
allerdings mit dem Bus nicht zu bewerkstelligen ist. Ein Paar, das
ich unterwegs schon mehrfach getroffen hatte, war mit im Flieger und
wird von einem zuvor gebuchten Fahrer am Airport abgeholt. Also
spreche ich den an und kurz darauf offeriert sein Chef die
Möglichkeiten der Automiete.
In der nächstgelegenen
Teestube verbringen wir die kommende halbe Stunde mit
Preisverhandlungen und einigen uns schließlich auf 120$ für
vier Tage mit Fahrer. Da mir dies fair erscheint und die Reisekasse
auch noch nicht leer ist, gönne ich mir den Wagen und verzichte
auf eine Nacht in Yangon.
Der Fahrer „Michael“ ruft
schnell zu Hause an, damit ein paar Sachen gepackt werden für
die kommenden Tage. Seine Wohnung liegt weit außerhalb von
Yangon im "Yuzama Garden Village", einer Art
Plattenbausiedlung. Die Wohnung ist aber ganz in Ordnung und
vergleichbares wäre im Stadtzentrum nicht bezahlbar. Wir sitzen
noch etwas mit seiner Familie zusammen, dann brechen wir auf.
Das
erste Ziel ist der Schwarzmarkt für Benzin in der Nähe des
Flughafens. Dort werden Flaschen und Dosen mit Sprit herangeschafft
und der Tank für den 10-fachen Preis der staatlichen Tankstellen
gefüllt. Aber das Kontingent an „offiziellem“
Benzin, das jedem Fahrzeug zugeteilt wird, ist für diesen Monat
schon fast ausgeschöpft und würde für die Strecke
nicht mehr reichen. Das alles muss beim Mietpreis für einen
Wagen mit berücksichtigt werden, neben dem teuren „schwarzen“
Benzin ist die Übernachtung und Verpflegung des Fahrers
enthalten, genauso eventuelle Reparaturen. Und der Autobesitzer,
meist nicht der Fahrer selbst, will ja auch noch dran verdienen. Bei
den Fahrern bleibt so nicht wahnsinnig viel Geld hängen.
Gegen
Mittag verlassen wir Yangon und fahren über die neue, gut
ausgebaute Strasse Richtung Pathein durch das Ayeyarwady-Delta. Der
Verkehr ist relativ mäßig, so dass man auf diesem
Abschnitt gut voran kommt. In regelmäßigen Abständen
passieren wir liegen gebliebene Busse, Laster und andere Fahrzeuge, an
denen gerade Reifen gewechselt oder sonstwas auseinander genommen
wird. Pannen gehören auf den Landstrassen Myanmars immer dazu.
Wir selbst haben vorerst keine und fahren mit offenen Fenstern und
Country-Musik durch die üppige Landschaft.
Es gibt Reisfelder,
soweit man sehen kann. Teils sind sie bereits abgeerntet und öde
braun, daneben dann wieder frisches Grün von neuen Feldern. Zwei
bis drei Ernten werden hier jährlich eingefahren. Zwischen den
Feldern gibt es vereinzelte Dörfer und im vorbeifahren bekomme
ich den ein oder anderen Einblick ins Landleben. Der getrocknete Reis
wird mit motorbetriebenen Gebläsen von der Spreu getrennt, mit
Wasserbüffeln werden die Felder bearbeitet.
An jeder Ein- und Ausfahrt in den Dörfern rasseln Frauen mit Münzen (oder Steinen?) in Metalltöpfen und sammeln für das örtliche Kloster oder die Pagode, meist von laut scheppernder Musik von Band begleitet. Das Geld wird ihnen im Vorbeifahren aus den Autos zugeworfen. An den Brücken sind kleinere Beträge als Zoll zu entrichten, Straßensperren oder ähnliches sehen wir ansonsten nicht. Michael erzählt währenddessen eine Menge von sich, von Myanmar und über das Delta. Auf diese Weise lernt man eine Menge kennen, sollte ich nochmal wiederkommen, würde ich einige Strecken mit einem Fahrer machen wollen.
Nach
Überquerung des Ayeyarwady treffen wir einen Kollegen von
Michael, der gleich zwei platte Reifen hat. Wir nehmen ihn und seine
Reifen mit bis zur nächsten Ansiedlung, wo es immer auch eine
entsprechende Werkstatt gibt. Dann holen wir noch seine beiden
Fahrgäste ab und legen bei der Gelegenheit direkt eine
Mittagspause ein. Dann geht es weiter bis Pathein und dort über
eine neue, mit Militärposten bestückte Brücke.
Die
Strasse durch die Ausläufer des Rakhine-Yoma-Gebirges wird dann
deutlich schlechter und windet sich staubig und holprig durch die
Berge. Teilweise sieht man in der dichten Staubwolke kaum noch was
und wir müssen die Fenster schließen und auf Klimaanlage
umsteigen. Landschaftlich ist die Strecke aber sehr schön,
umgeben von Wäldern.
Am
späten Nachmittag erreichen wir nach etwa sechs Stunden
Chaungtha. Das von mir anvisierte Shwe-Hintar-Hotel ist voll, aber
ein Stück weiter bekomme ich einen Bungalow im Linn-Thit-Sar. In
der Bucht reihen sich an der kleinen Strasse am Meer längs eine
Bungalow-Anlage an die nächste, das Angebot ist überall
ähnlich. Die einzige Ausnahme ist das luxuriöse Hotel Max,
wo auch Reisegruppen absteigen. Ansonsten wird der Badeort von vielen
Einheimischen frequentiert, in meinem Hotel bin ich der einzige
Ausländer.
Man kümmert sich rührend um mich,
regelmäßig wird frischer Tee vorbei gebracht und mein
Bungalow steht direkt am Meer mit schöner kleiner Terrasse, was
will man mehr! Bevor die Sonne untergeht, gönne ich mir noch
schnell ein Bad in den Wellen. Als es dunkel wird, wird der Strom
eingeschaltet, der hier nur über Generatoren erhältlich
ist. Ich werfe die Klimaanlage an um den ziemlich aufgeheizten
Bungalow etwas runter zu kühlen.
Zum
Abendessen fahre ich mit Michael ins Dorf. Das von ihm empfohlene
Pearl Restaurant ist voll. Er ist aber ein alter bekannter und so
wird beim Nachbarn ein zusätzlicher Tisch für uns
aufgetrieben. Das Essen ist hervorragend, für kleine Preise gibt
es Seafood aller Art. Ich probiere auch den bei den Einheimischen
sehr populären Grand Royal Whisky, gar nicht mal schlecht.
Das
Nachtleben von Chaungtha ist auf den burmesischen Geschmack
zugeschnitten und besteht im wesentlichen aus Karaoke im ein oder
anderen Hotel. Die Jugend aus Yangon vergnügt sich mit Feuerwerk
und Whisky am Strand, aber alles sehr gesittet und die Nachtruhe wird
früh eingeläutet.
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Ich verbringe so ein paar ruhige Tage,
faulenze viel, schwimme und spaziere am Meer. Der breite Strand
liefert genug Platz für alle und gefällt mir gut. Das Meer
ist ein wenig trübe wegen des Wellengangs, was aber überhaupt
nicht stört und zur Abkühlung ist's herrlich.
Am Strand
gibt es haufenweise LKW-Reifen zum Schwimmen auszuleihen und außerdem
Fahrräder. Fliegende Händler versorgen einen im Vorbeigehen
mit Garnelenspießen, gegrilltem Fisch und Obst, das alles aber
gänzlich unaufdringlich. Das Fischerdorf ist auch ganz
interessant, bietet aber außer einigen Restaurants und
Teestuben nur unzählige Stände mit Korallenschmuck,
Muscheln und ähnlichem.
Mein Plan, hier noch einige Postkarten
zu schreiben, wird fast vereitelt: es gibt keine Postkarten! Ich
mache aber schließlich ein Hotel ausfindig, das welche
verkauft, wenn auch nicht die schönsten.
Die
Zeit am Meer verging mal wieder zu schnell, schon geht es zurück
nach Yangon. Wir legen einen Stopp in Pathein ein, der schön
gelegenen Hauptstadt des Deltas. Dort sehe ich mir eine Pagode an,
ein Art „Buddha-Disneyland“ mit vielen bunten Figuren,
lebenden Tieren und Kitsch. Im Stadtzentrum gibt es dann –
natürlich - eine weitere Pagode und den sehenswerten Markt.
Dann
sehe ich mir eine Schirmwerkstatt an, die Stadt ist bekannt für
ihre Schirme. Diese werden recht aufwendig in Handarbeit hergestellt
und sind echte Kunstwerke. Ich kaufe ein kleines Modell, das ich im
Rucksack verstaut bekomme. Auf dem Rückweg haben wir dann auch
eine Panne, die aber schnell behoben wird.
Zurück in Yangon nehme ich diesmal ein Zimmer im Panorama, das ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Meine Postkarten schicke ich aus Yangon ab, was wohl am besten funktionieren soll. Mittlerweise sind sie angekommen, was allerdings zweieinhalb Monate gedauert hat.
Die letzten Tage in Yangon nutze ich zum Einkaufen auf den diversen Märkten. Neben einigen Souvenirs erstehe ich Gewürze und fertig abgepackten Lephat (den Salat aus Teeblättern), mit der passenden Nussmischung als Kostprobe für die Daheimgebliebenen. Ich kaufe außerdem noch ein paar CDs der angesagten Bands von Myanmar, „Iron Cross“ und „Emporer“. Die machen durchaus hörbare Musik, die mir unterwegs immer mal wieder begegnet ist.
Als
Abschluss der Reise suche ich nochmals die Shwedagon-Pagode auf, die
immer noch begeistert. Dann wechsle ich meine doch noch überzähligen
Kyat mit ein paar deutschen Reisenden.
Ein Abschiedsessen gibt's im
„Golden Duck“ an der Strand Road. Dieser Laden bietet
sehr leckeres Essen für wenige Kyat in netter, einfacher
Atmosphäre, wird überwiegend von Einheimischen besucht.
Leider hab' ich das erst jetzt entdeckt, sonst wäre ich öfter
gekommen.
Als weiteres Abendprogramm bekomme ich in der „Dagon
Beer Station“, einer Art Biergarten ein paar Gläser
billiges Bier vom Fass. Als „sündiges“
Begleitprogramm wird der „Top Emporer Model Queen Contest“
geboten, eine Art Modenschau mit Karaoke-Einlagen. Irgendwie bin ich
der einzige Ausländer bei dieser Veranstaltung, aber es ist
schon very funny.
Michael, der mich als Service kostenlos zum Flughafen bringt, bekommt noch ein ordentliches Trinkgeld. Die Tage mit ihm in Chaungtha waren toll, Michael ist einfach ein netter Kerl und als Fahrer sehr zuverlässig gewesen.
Von Yangon aus geht es erstmal wieder nach Bangkok, wo ich noch zwei Tage bleibe. Ein ziemlicher Kulturschock nach drei Wochen Myanmar, so richtig gefällt es mir nicht mehr. Myanmar hat mir insgesamt sehr gut gefallen, viele gute Erlebnisse und Erfahrungen, viele nette Menschen. Bleibt zu hoffen, dass sich in diesem Land noch einiges positiv verändert.