Mandalay

[2006] Eine gute Wahl war unser Hotel in Mandalay, das sehr günstige AD1. Zum einen ist die Lage klasse in einem lebendigen Stadtteil mit Straßenmärkten, vielen kleinen Läden mit "Mönchsbedarf" und der nahen Eindawya-Pagode. Zum anderen ist auch die Unterkunft absolut ok für den kleinen Preis und verfügt über eine nette Dachterrasse.
Am Abend erleben wir zufällig noch eine große Zeremonie in der Eindawya-Pagode mit. In einem der großen Tempel predigt ein uralter und offenbar sehr bekannter Mönch. Die Halle ist mit Girlanden in den kitschigsten Farben geschmückt und viele Menschen sind versammelt. Das ganze ist ganz interessant anzusehen, auch wenn wir den eigentlichen Anlass oder Hintergrund der Feier leider nicht herausbekommen.

Mandalay, Mönchsschalen Den ersten Tag in Mandalay sehen wir uns erstmal ausgiebig in "unserem" Viertel um und streifen über die Märkte. Mit haben es vor allem die Zwiebelhändler angetan, in den Gassen leuchten die roten Säcke im Gegenlicht. Irgendwie übertreibe ich es ein wenig mit Fotos von diesem Motiv, was ich mir zu Hause dann auch nicht mehr erklären kann.
Den Rest des Tages besuchen wir noch die wichtigsten Pagoden, wobei die Mahamuni-Pagode mit den ganzen Handwerkern rundherum wieder die interessanteste ist. Die Kuthodaw-Pagode wurde renoviert, die Durchgänge sind jetzt nicht mehr weiß, sondern kitschig bunt, nicht ganz so schön. Außerdem haben wir hier arge Probleme mit dem Eintritt. Unser, wie wir finden, absolut neuwertiger 20-Dollar-Schein wird nicht akzeptiert wegen eines mikroskopisch kleinen Tintenflecks am Rand. Irgendwann geben wir genervt auf, aber am Atumashi-Kloster ist es genauso unmöglich, mit diesem Schein das Ticket für Mandalay zu erwerben. Vor allem bei staatlichen Stellen wie Einrittsgeld und Transport, aber auch in manchen Hotels stellt man sich mittlerweile extrem an und akzeptiert Scheine schon mit allerkleinsten Schönheitsfehlern nicht. Schlechtestenfalls läuft man so mit haufenweise Dollars durch das Land, die keiner nehmen will. Alles Ärgern nutzt nichts, wir zahlen schließlich mit einem anderen Schein.

Abends ist unsere Wäsche fertig, die hier unglaublich günstig erledigt wird (für ein Hemd zahle ich umgerechnet gerade mal 5 Cent).
Das Abendessen ist heute nicht so doll, ich entscheide mich dummerweise für Pommes Frittes (mal was anders als Reis). Die sind scheints in einer Art Altöl gebacken und lösen eine leichte Magenverstimmung aus, wo ist sonst keinerlei Schwierigkeiten mit hatte. Naja, halb so wild. Für den nächsten Tag chartern wir noch ein kleines blaues Taxi, wir wollen nach Amarapura. Für den ganzen Tag handeln wir 12000 Kyat aus, ein durchaus vernünftiger Preis.

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Amarapura, Morgenstimmung Da wir den Sonnenaufgang sehen möchten, geht es in aller Herrgottsfrühe los, Abfahrt um 5:30. Ziel ist die U-Bein Brücke in Amarapura, die mir im letzten Jahr schon gut gefallen hat. Der Sonnenaufgang erfüllt die Erwartungen, einfach traumhaft. Im Gegensatz zum Abend sind kaum Touristen anwesend, auf der Brücke sind vor allem Mönche und Händler unterwegs.
Auf der anderen Seite des Sees nehmen wir eine Mohinga (Fischsuppe), das typische Frühstück, am Fuße der Brücke zu uns und beobachten die Entenzüchter und Ochsenkarren, die durch das flache Wasser fahren. Das frühe aufstehen hat sich wieder einmal gelohnt.
Anschließend besuchen wir das Dorf auf der anderen Seeseite. Hier verirren sich eher wenige Ausländer hin, entsprechend werden wir bestaunt. Besonders erlebnisreich ist der Besuch einer Schule und des benachbarten Kindergartens, der bei den Kindern für Begeisterung sorgt.
Es geht zurück über die Holzbrücke. Auf der anderen Seite in Amarapura hat mittlerweile ein Fußballturnier der Klöster unterhalb der Brücke begonnen. So etwas sieht man auch nicht alle Tage. Es herrscht eine tolle Stimmung, rund um das Fußballfeld und auf der Brücke sind Ummengen Mönche versammelt und feuern ihre Teams an. Einfach genial, das sehen wir uns auch erstmal in Ruhe an.

Sagaing Am Nachmittag geht es dann weiter nach Sagaing. Wie besteigen den Sagaing-Hill, natürlich über einen endlosen Treppenaufgang. Der Hügel ist eher eine H¨gelkette, auf den einzelnen Gipfeln stehen zahlreiche Klöster und Pagoden, mit teils überdachten Wegen miteinander verbunden. Vom höchsten Punkt ergeben sich tolle Ausblicke auf diese Landschaft und den Ayeyarwady mit der Sagaing Brücke, wo auch gerade eine große zweite Brücke im Bau ist.
Die bekannteste Pagode auf dem Berg erinnert etwas an Schwimmbadarchitektur, alles ist gefliest in bunten Farben. Sehr kitschig vielleicht, aber mir gefällt es ganz gut. Der Nachmittag in den Hügeln ist etwas schweißtreibend, lohnt aber vor allem wegen der Topografie und der Ausblicke.

Auf dem Rückweg folgt ein weiterer Stopp in Amarapura. Dort lernen wir im Kloster nahe der Brücke den "crazy monk" Hadschi kennen. Der führt uns herum, erzählt viel und albert inklusive Rap-Einlagen. Mit ihm besuchen wir auch das Mahagandhayon-Kloster, mit 1500 Mönchen das größte in der Gegend von Mandalay. Es ist berüchtigt für den Touristenrummel bei der morgendlichen Speisung, bei diesem Spektakel wird der Speiseraum wohl gleich von ganzen Busladungen Reisender belagert. Jetzt, am späten Nachmittag, herrscht Stille in der riesigen Anlage und dank Hadschi erfahren wir noch einiges über das Klosterleben. Er zeigt uns noch seinen Lieblingsplatz, eine stille kleine Pagode direkt am Flussufer.

Amarapura, Sonnenuntergang Langsam geht die Sonne unter und wir suche uns einen guten Platz, um den Sonnenuntergang hinter der Brücke abzulichten. Mit der Spiegelung im Wasser wird es allerdings nichts, da uns nach kurzer Zeit duzende von Ruderbooten ins Bild fahren. Der Anblick ist aber wieder fantastisch und rundet diesen Tag perfekt ab.
Im Mandalay herrscht eine Art Dauer-Stromausfall, ohne Generatoren läuft gar nichts. Nachts liegt die Stadt im Dunst und ist in schummeriges Licht getaucht, ohne Straßenbeleuchtung, was eine unwirkliche, fast gespenstige Atmosphäre bewirkt. Auf einer Straße hält ein alter Radfahrer neben uns, springt vom Rad und fängt ein Gespräch an. Deutschland? Prima, kennt er. Er arbeitet als Fahrer für ein Kloster, mit einem Mercedes! Baujahr 1954. Und gefällt es hoffentlich in seinem Land? − Das können wir ihm ehrlich versichern und er schwingt sich wieder auf das klapprige Rad und verschwindet in der Nacht. Begegnungen im Myanmar...

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An unserem letzten Tag in Mandalay besuchen wir ein Schulprojekt, das von Mönchen und Freiwilligen betrieben wird. In unterschiedlichsten Fächern wird Unterricht für Jung und Alt kostenlos angeboten, daneben wird auch noch eine eigene Bibliothek aufgebaut. Staatlich unterstützt wird so etwas natürlich nicht, im Gegenteil. Bildung als Schlüssel zur Veränderung ist der Gedanke, der den Machthabern nicht schmecken kann.
Bereits in Deutschland hatte ich über einen im Exil lebenden Mönch von diesem Projekt erfahren und einen Kontakt bekommen. Wir überbringen in Deutschland gesammelte Spenden und lernen im Gespräch mit Mönchen und Lehrern eine Menge an diesem Vormittag.

Mandalay, Schule Als weiteres steht der Besuch eines Waisenhauses an, wo wir ebenfalls eine Spende überreichen und einiges Schulmaterial mitgebracht haben. Man nimmt sich sehr viel Zeit für und, der Vorsteher der Schule zeigt uns die ganze Einrichtung, in der 200 Jungen aus dem ganzen Land leben. Das ganze befindet sich auch auf einem Klostergelände und finanziert sich im Grunde ausschließlich über Spenden. Im Hof sind Tafeln aufgestellt, auf denen die Spender verewigt sind und täglich aktuell vermerkt wird, wer das Essen gestiftet hat. Die Bevölkerung und die Markthändler sorgen hier dafür, dass die Küche nicht leer bleibt.
Der alte Abt, der das Waisenhaus leitet, ist eine beeindruckende Persönlichkeit, genauso beeindruckt uns die Arbeit die hier geleistet wird. Die Startchancen für die Kinder hier sind sicher nicht die schlechtesten und unsere Spende für den Ausbildungsfonds garantiert richtig aufgehoben.
Dieses und zwei weitere Waisenhäuser im Land werden seit Jahren aus Deutschland unterstützt. Der Autor Klaus Schröder gründete nach etlichen Myanmarreisen einen Verein, der sich vor allem für die gesundheitliche Versorgung und Ausbildung der Kinder einsetzt. Seit 2007 bin ich Mitglied des Vereins Myanmar-Kinderhilfe e.V., ich verweise gerne auf die dazugehörige Webseite und stehe auch gerne für weitere Informationen zur Verfügung.

Auf der Dachterrasse unseres Guesthouse verabschieden wir uns von Mandalay, für mich ein sehenswertes und abwechselungsreiches Ziel in Myanmar. In der Dunkelheit leuchtet die goldene Eindawya-Pagode, von der ein Singsang der Betenden zu uns herauf schallt, ansonsten Stile und ein Grand-Royal Whisky, schwer sich aus diesem melancholischen Augenblick loszureißen für eine kurze Nacht.

weiter auf dem Ayeyarwady

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