Yangon Schriftzug

[2006] Auch meine zweite Reise beginnt und endet in Yangon, wo ich wieder einige Tage verbringe. Viel verändert hat sich im Stadtbild nicht, nur die Hochhausruinen nahe der Sule-Pagode werden nun offenbar weitergebaut oder zumindest kosmetisch an den Fassaden erneuert.
Direkt am Flughafen treffe ich zufällig meinen Fahrer vom letzten Jahr. Wir werden diesmal zwar nicht ins Geschäft kommen, verabreden uns aber später noch auf einen Tee zum Plaudern, sehr nett.

Yangon, Straßenmarkt Den ersten Tag verbringe ich ansonsten mit organisatorischem. Dank eines guten Tipps wechsle ich stressfrei in einem netten Laden auf dem Bogyoke-Markt zweimal Euro in einen dicken Packen Kyatt. Wie im letzten Jahr habe ich ein paar Flüge gebucht und treffe mich abends wieder mit Michael zur Ticketübergabe. Das Wiedersehen wird mit einem schönen Abendessen gefeiert.

Als neuen Programmpunkt nehme ich mir die Strand Road vor, vorbei am mondänen Strand Hotel bis zur Botataung-Pagode und dem angrenzenden Hafen. Die verspiegelte Pagode ist von außen nicht so spektakulär und den Eintritt spare ich mir. Der Hafen am Fluss wirkt sehr abgewrackt, die rostigen Kräne scheinen schon lange außer Betrieb zu sein. Die Lastschiffe werden von Hand gelöscht, eine ziemliche Plackerei. Der Fußmarsch löst bei mir schon genug Schweiß aus, an die Hitze muss ich mich erstmal wieder gewöhnen.
Der Rückweg parallel zur Uferstraße führt durch stille Alleen, vorbei an einigen schönen Straßenmärkten, Wahrsagern und Teestuben. Dieser Teil der Stadt wirkt beinahe ländlich. Fast jeder Baum beherbergt einen kleinen Schrein und ist mit bunten Fahnen geschmückt. Den Kontrast dazu bilden die brüchigen Fassaden und unbefestigten Straßen, auch mitten in der Hauptstadt.
Das indische Viertel durchstreife ich auch nochmals ausgiebig, es hat mit seinen Märkten und lebendigem Treiben wirklich viel Abwechselung zu bieten und liefert gute Fotomotive. Das Angebot an Früchten auf den Straßenmärkten scheint mir etwas üppiger zu sein als im letzten Jahr. Das Warenangebot reicht sonst von traditioneller Medizin (im wesentlichen Knochen und getrocknete Tiere) über Dynamo-Taschenlampen bis zu Garküchen aller Art. Selbst vollständige frittierte Vögel werden an einer Ecke angeboten, naja.

Trenner, Globus und Linie horizontal

Shwedagon-Pagode, Nachtansicht Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist ein erneuter Besuch der Shwedagon-Pagode, nach wie vor ist dies einer der Höhepunkte. Ich schaffe es diesmal auch zum Sonnenaufgang. Nachdem ich mich um 5:30 aus dem Bett gequält habe, beginnt eine etwas nervige Taxisuche. Einige scheinen hier mittlerweile zu sehr abenteuerlichen Preisfantasien zu neigen und haben zudem das Handeln verlernt.
Den eigentlichen Sonnenaufgang bekommt man in der Pagode nicht mit, bis die Sonne sichtbar wird ist es schon hell. Aber die morgendliche Dämmerung und Lichtstimmung, die Ruhe, das langsame Erwachen der Pagode mit Betenden und Meditierenden, lohnen das frühe Aufstehen und machen den Besuch wieder erneut zu einem Erlebnis.
Der im letzten Jahr eingerüstete Chedi ist nun fertig gestellt und erstrahlt fast 100 Meter hoch in Gold, ein traumhafter Anblick. Leider werden nun die duzende kleiner Stupas renoviert, die den Hauptturm umgeben. Sie sind alle mit blauen Plastikplanen verhüllt, vernünftige Fotos der Gesamtansicht sind auch in diesem Jahr kaum möglich. Aber alles andere entschädigt, ich verbringe abermals Stunden an diesem Ort. Viele Gespräche mit Mönchen, stilles Verweilen in den schattigen Pavillons und die Suche nach neuen Details und Blickwinkeln lassen die Zeit kurzweilig vergehen.

Am letzten Abend in Yangon fahre ich zum Flughafen, mein Reisepartner kommt heute aus Bangkok an. Den Großteil der Reise werde ich mit Christian unterwegs sein, wir hatten uns über ein Internetforum kennen gelernt. Im Nachhinein kann ich sage, dass dieses Experiment absolut geglückt ist, wir hatten eine prima Zeit zusammen.
Am Flughafen, der sonst eher öde und gar nicht großstadtmäßig wirkt, herrscht überraschender Weise ein unglaublicher Trubel. Menschenmassen erwarten die Ankunft des Fliegers, auffällig viele Inder sind dabei. Nach einigem Herumfragen klärt sich die Sache auf. Ein bedeutender islamischer Prediger aus Yangon kommt heute von seiner Hadj nach Mekka zurück und wird von der versammelten Gemeinde jubelnd in Empfang genommen. Irgendwie finde ich Christian aber in dem ganzen Durcheinander. Es gibt noch einiges zu erzählen, bevor wir am nächsten Morgen Yangon schon wieder verlassen.

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