Bangkok
Nach
rund 12 Stunden landen wir gegen Mittag in Bangkok. Erstmal raus aus
dem Flughafen, die Luft erscheint auf Anhieb gar nicht so schwül.
Das kann aber auch dran liegen, dass wir schnell in ein
klimatisiertes Taxi steigen. Der erste Eindruck auf der einstündigen
Fahrt in die Stadt: irgendwie ist alles gar nicht so anders, es geht
über eine auf Stelzen hoch-gelegte Autobahn, vorbei an endlosen
Beton- und Glasfassaden, riesigen Reklametafeln für
High-Tech-Produkte, die Exotik am anderen Ende der Welt fehlt dabei.
Der
Verkehr ist moderat, es geht zügig weiter über mehrspurige
Strassen. Erst als die Gassen von Bamglampoo erreicht sind, stellt
sich etwas „Asien-Feeling“ ein, es geht vorbei an
Garküchen und die Strassen sind voll von den Kleiderständen
der Geschäfte. Der Taxifahrer findet unsere Wunschadresse, ein
etwas abseits gelegenes Guesthouse aus dem Reiseführer nicht.
Wir steigen schließlich auf der Khao San Road aus und gehen den
Rest zu Fuss. Unser Wunsch-Guesthouse hat noch Zimmer frei, wir
mieten uns ein klimatisiertes (in Bangkok nicht nur wegen des Klimas
sondern auch wegen der schlechten Luft zu empfehlen).
Wir spazieren noch etwas durch die Umgebung, wollen eigentlich zum nahegelegenen Fluss (wir stellen uns eine Uferpromenade mit Stadtpanorama vor, wie man es in Köln kennt). Wir finden ihn aber nicht, die Bebauung reicht bis ins Wasser und es gibt nur wenige Durchgänge zu den Bootsanlegern. Ziemlich müde vom Flug finden wir es ganz angenehm, dass es jetzt schon Abend ist. Probleme mit dem Jet-Lag stellen sich erfreulicher Weise überhaupt nicht ein.
Als
wir morgens zum ersten Mal unser Zimmer verlassen, trifft uns das
Klima: ein feuchter, heisser und muffiger Schwall schlägt uns
ins Gesicht und schon beim Frühstück heisst es schwitzen.
Wenigstens werden die Eiswürfel vom Vorabend problemlos verdaut,
Schwierigkeiten mit Magen-Darm gab es übrigens auf der gesamten
Reise nicht. Banglampoo bietet sich als Standort an, das Viertel
liegt zentral und hier sind ohnehin die meisten Travellerherbergen
angesiedelt.
Wer sich aber direkt an der „Meile“, der
Khao San Road, einmietet, braucht einen guten Schlaf. Es reiht sich
Guesthouse an Guesthouse und alle versuchen, sich von morgens bis in
die Nacht mit der lautesten Musik, dem lautesten Actionfilm auf
Großleinwand zu überbieten. Und den „Nachtmarkt“,
vor allem Souvenirs und Plagiate, ist man auch schnell leid.
Ruhiger
wohnt es sich in vielen kleineren Gassen ein paar Ecken weiter. Dort
gibt es auch etliche Garküchen, die gutes Essen anbieten. Wir
wurden schnell zu Stammkunden.
Wir
bleiben noch 3 Tage in Bangkok und sehen einige der sehr lohnenden
Tempelanlagen. Wat Phra Kaeo und der Königspalast sind auf jeden
Fall einen Besuch wert, zum Glück war es auch gar nicht so voll.
Um die Ecke liegt der Lak Muang, ein Schrein, in dem allerlei Göttern
und Geistern geopfert wird. Zum Dank für erfüllte Wünsche
kann man außerdem von Gläubigen gestiftete Tanz- und
Theateraufführungen ansehen.
Vom Golden Mount gibt es einen
tollen Blick über die Stadt, rund um den Tempelberg findet dann
auch noch eine Art Jahrmarkt statt. Im Wat Po gibt es gleich einen
ganzen Wald bunt verzierter Chedis (spitze Türme) und den
monströsen liegenden Buddha zu bestaunen.
SEehr gut hat es uns im indischen Viertel Pahurat gefallen. Rund um den großen Sikh-Tempel schlendern wir stundenlang durch das Gewirr der Marktgassen, die sich bis nach Chinatown ziehen. Der Großmarkt am Flussufer ist ebenfalls sehr lohnend, in duzenden Gassen und Hallen entdeckt man viele Früchte, Gemüse und Pflanzen, die aus Europa gänzlich unbekannt sind. Wir verlaufen uns auch prompt, einige Schüler in einem Café zeichenen uns aber einen kleinen Stadtplan auf eine Schulheftseite. Die Verständigung klappt irgendwie auch ohne englisch, wir finden am Ende problemlos unser Ziel.
Chinatown
ist vor allem laut, geschäftig, unheimlich verkehrsreich.
Sehenswerte Ecken gibt es kaum, etwas Romantik kommt allenfalls
angesichts der chinesischen Schildermaler, die Lebensweisheiten mit
kunstvollen Goldlettern auf rote Seide bannen, auf. Wir hatten nach
kurzer Zeit - im wahrsten Sinne des Wortes - die Nase voll und
flüchteten im nächsten Taxi. Ein Abstecher nach Chinatown
lohnt aber eventuell, wenn man auf der Suche nach günstigen
Elektroartikeln, Uhrenplagiaten oder Fotozubehör ist.
Zur Fortbewegung in Bangkok haben wir hauptsächlich die klimatisierten Taxis benutzt, vor allem bei längeren und stauträchtigen Strecken die angenehmste Lösung. Die Wagen haben Taxameter, die Preise sind günstig und liegen kaum über denen der Tuk-Tuks. Diese originellen Gefährte wurden mittlerweile etwas dezimiert, da sie erheblich zu Geräuschpegel und Luftverschmutzung beitragen. Die ein oder andere Tour im Tuk-Tuk sollte man sich aber nicht entgehen lassen. Die Dreiräder bewegen sich erstaunlich schnell und oft im halsbrecherischen Slalom durch das Verkehrschaos. Sehr bewährt hat sich eine kopierte Liste aus dem Reiseführer mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Stadtteilen etc. in thailändischer Schrift. Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrer sprechen oft kaum englisch, mit einem englisch beschrifteten Stadtplan können sie schon gar nichts anfangen. Da unsere Aussprache der thailändischen Ortsbezeichnungen auch meist fehlerhaft war, fuhr der Taxifahrer zwar freundlich lächelnd los, wir merkten aber schnell, dass er keinen Schimmer hatte wohin...
Ein
schönes Erlebnis war die Fahrt auf Bangkoks Wasserwegen. Der
alte Stadtteil Tomburi jenseits des Flusses wird noch von den
zahllosen Kanälen, den Khlongs, durchzogen. Es verkehren
Linienboote, mit denen wir einen halben Tag durch verschiedene
Khlongs gefahren sind. Neben negativen Eindrücken -
Slumbehausungen an den Ufern, erbärmlich stinkende Kloaken -
überwogen auf jeden Fall die positiven: Tempelanlagen, schöne
Wohnhäuser, viel Grün von Palmen und Orchideenplantagen...
und das alles mitten in Bangkok. Sehr angenehm war auch die Ruhe,
endlich einmal kein Strassenverkehr.
Interessant
war auch eine Fahrt quer durch die Stadt über den Chao Praya per
Linienfähre. Je nach Ziel ist die Fähre zudem ein schnelles
Verkehrsmittel.
An unserem letzten Reisetag besichtigen wir in Bangkok noch den Teakholz-Palast aus der Jahrhundertwende. Zu Fuss wollen wir von dort weiter zu einem Tempel in der Nähe. An einer Kreuzung ist die Strasse plötzlich von Polizei abgesperrt, wir dürfen als Fussgänger aber passieren. Hinter der nächsten Ecke dann ein zunächst etwas beunruhigender Anblick: duzende Militärfahrzeuge stehen längs der Strasse, es wimmelt vor Soldaten. Findet hier etwa gerade - mal wieder - ein Putsch statt? Der Irrtum klärt sich schnell, die Soldaten sind unbewaffnet und proben nur für Königs Geburtstag in zwei Wochen, Pioniere errichten Tribünen und die Militärkapelle marschiert schon mal über den Platz. Mit diesem Aufwand - ein nicht eben kleiner Platz und mehrere Hauptverkehrsstrassen in der Umgebung waren gesperrt - hatten wir zwei Wochen vor dem Feiertag aber einfach nicht gerechnet.
Als Eindruck von der Mega-Metropole bleibt: Bangkok ist laut, chaotisch, abstossend - aber genauso reizvoll, sehenswert und eindrucksvoll. Deshalb haben wir am Ende der Reise auch noch mal drei Tage hier verbracht.
Update Bangkok 2005
Auf der Rückreise von Myanmar habe ich noch zwei Tage Stopp in Bangkok eingelegt,
um nach fast sieben Jahren "Abstinenz" nochmal mehr als den Flughafen wiederzusehen.
Nach wie vor gehört Bangkok für mich zu den fazinierendsten Metropolen.
Mein Quartier schlage ich wieder in Bamglampoo auf, in einer ruhigen Gasse unweit der Khao
San Road. Das alte Backpacker-Zentrum von Bangkok hat sich in den paar Jahren erheblich
verändert, einiges erkenne ich kaum wieder. Es ist schwer modernisiert worden, neue Straß
und sogar Bürgersteige, die Kaho San Road ist jetzt halbe Fußgängerzone.
Alles wirkt gegenüber meiner Erinnerung vom letzten Mal sehr aufgerämt und
"durchgestylt". Überwiegend verschwunden sind die zahllosen eher chaotischen
Garküchen in den Seitenstraßen, dafür gibt es jetzt noch mehr Fastfood.
Man merkt schon, so recht begeistern kann mich die Entwicklung nicht. Es ist noch voller
geworden im Viertel und die Besuchermasse hat sich in meinen Augen auch nicht gerade zum besseren
entwickelt. Ich komme mir eher vor wie am Ballermann. Etwas überspitzt gesagt: knappes
Strandoutfit ist angesagt, ohne Piercing oder wenigstens Tattoo geht gar nichts und mittags sollte
man schon beim Cocktail oder zumindest Bier sitzen.
Vielleicht ist der "Kulturschock" direkt nach Myanmar doch zu groß und ich reagiere
deshalb etwas übertrieben, aber Banglampoo ist für mich noch ungefä so exotisch wie
Castrop-Rauxel. Nebenbei schmeckt die Thaiküche hier auch meist so wie zu Hause beim Chinesen
an der Ecke.
Nachdem ich es mir jetzt mit allen Fans der Khao San Road gründlich verdorben habe, gibt
es natürlich zur eigentlichen Stadt Bangkok noch vieles mehr zu sagen. Was mich auch dieses Mal
wieder gegeistert, ist das bunte und vielfältige Treiben, die Märkte, das noch schlimmer
gewordene Dauer-Verkehrschaos und die vielen sehenswerten Ecken.
Top ist nach wie vor der Königspalast mit dem Wat Phra Khaeo. Hier herrscht zwar auch großer
Besucherandrang und die Atmosphäre und spirituelle Aura der burmesischen Tempel vermisse ich, aber
dennoch beibe ich eine ganze Weile. Das Zusammenspiel von Formen, Farben und Figuren der Anlage ist
einfach faszinierend und ich finde auch wieder eine Menge lohnender Fotomotive.
Die restliche Zeit meines Kurzaufenthalts verbringe ich in einigen anderen Tempelanlagen, mit
Bootsfahrten auf dem Menam und Besuchen von ein paar Märkten. Der Wat Arun darf leider nicht
mehr bestiegen werden (aus "Sicherheitsgründen"?), aber einen Ausblick gibt es noch vom
Golden Mount. Leider versinkt die Stadt an diesem Tag völlig im Smog und schweisstreibenden
Dunst.
Mein letzter Aufenthalt in Bangkok war das sicher nicht, auch wenn ich mir beim nächsten Mal wohl ein anderes Viertel zum Wohnen suchen werde. Genug zum Sehen, Fotografieren, Erleben und Shoppen bietet der "Zustand" Bangkok sicher für weitere Stopps.