Douz / Chott el Jerid

douz1 Morgens breche ich auf nach Douz, es ist Markttag. Am Ortsausgang von Tozeur werde ich diesmal auch von der Polizeikontrolle angehalten, bei Touristen ist das sehr ungewöhnlich. Der Beamte fragt nach meinem Fahrziel und bittet mich dann, einen Kollegen bis nach Kebili mitzunehmen, er hat Feierabend und möchte nicht auf den Bus warten. So fahre ich unter Polizeischutz die Strecke, die zwischendurch 50 km über den Chott El Jerid, den größten der trockenen Salzseen, führt. Der Beifahrer erweist sich als unterhaltsam, er freut sich, dass ich alleine unterwegs bin und versichert, ich könne ohne Angst überall hinfahren.

Hinter Kebili nehme ich den falschen Abzweig. Statt über die Hauptstrasse nach Douz fahre ich über eine Piste, die über den Rand des Chott und einige kleine Dörfer führt. Nach ein paar Kilometern merke ich den Irrtum, die Route ist aber befahrbar und landschaftlich schön. Deshalb fahre ich weiter, umkehren kann ich notfalls immer noch.
Der Umweg von etlichen Kilometern hat sich gelohnt, zuletzt gab’s noch eine Tee-Pause in einem kleinen Ort, wo scheinbar nur selten Ausländer Halt machen. Im Café war es sehr ge-mütlich und freundlich, eine längere Pause war schon verlockend. Aber ich will noch zum Markt und es geht doch schon auf Mittag zu. Auf den letzten Kilometern kommen mir bereits duzende Eselskarren entgegen, viele Marktbesucher haben in dieser dünn besiedelten Region noch einen stundenlangen Heimweg vor sich.

douz2 Der Wochenmarkt ist immer noch sehr lebendig und Farbenfroh. Es gibt vor allem Unmengen Gewürze, Tee und natürlich Kleidung und Trödel aller Art. Die üblichen Souvenirstände sind hier noch deutlich in der Minderheit. Ein Stück abseits liegt ein von Mauern eingefasstes Karree unter Palmen, der Viehmarkt. Hier ist aber schon Feierabendstimmung, ein letztes Kamel döst träge in der Sonne – genau wie die verbleibenden Händler. Nur ein paar Ziegen macht die Hitze offenbar nichts, sie springen munter über das Gelände.

Die Gegend um Kebili und Douz ist die wärmste in Tunesien, im Sommer werden bis zu 55° gemessen. Bei meinem Besuch ist es mit „nur“ 40° schon schweißtreibend genug. Die Bevölkerung trägt hier fast einheitlich die Berbertracht, mit langen mantelartigen Gewändern und dicken um den Kopf geschlungenen Tüchern, was angeblich ja auch gut gegen die Hitze sein soll. Für Europäer wahrscheinlich nicht empfehlenswert...
Ich bin jedenfalls froh, als zu einem einfachen Mittagessen eine Flasche Wasser aus der Kühltruhe gezaubert wird (die im Auto allerdings schnell Teetemperatur erreicht).

Fährt man weiter auf der Straße durch den Ort, erreicht man nach 2 km noch einige Hotels, noch ein Stück weiter endet die Straße dann im Sand. Douz, das „Tor zur Sahara“, gleich hinter dem Ort beginnt die Wüste. Bei den ersten Sanddünen liegen hunderte Kamele in der Sonne, morgens und am Spätnachmittag werden hier die Touristenkonvois zum Kamelreiten angekarrt. Entsprechend ist das erste Stück „echte“ Wüste mit Getränkedosen und anderem Müll gespickt, wenig romantisch. Der Fiat Uno ermöglicht keine Weiterfahrt, für mich bleibt es deshalb bei einem kurzen Blick auf die Sahara.

douz3 Zurück nehme ich mir mehr Zeit bei der Überquerung des Chott el Jerid und lege einige Stopps ein. Die Ränder des Sees sind bedeckt mit Sand und einer Handvoll kleiner Sträucher, die offenbar ohne viel Wasser und Liebe existieren können (wäre vielleicht nicht schlecht für die Wohnung zu Hause).
Je weiter man auf den Chott fährt, lässt die Vegetation schnell nach und nach kurzer Zeit gibt es zu den Seiten nur noch endlose Weite und schneeweiße Fläche. Auf der einen Seite sieht man in der Ferne Berge am Ende des Sees aufragen, in der anderen Richtung ist buchstäblich nichts. Ab und zu meint man, Wasserflächen auszumachen oder eine  Fata Morgana (bei Temperaturen über 30° fast immer auf dem Chott zu sehen) gaukelt Palmen und Häuser vor. Trotz der Öde eine grandiose Landschaft!
Mitten auf dem Chott gibt es dann ein paar Souvenirbuden am Straßenrand, auf Tischen sind Sandrosen aus der Sahara aufgetürmt und zum Teil grausig in kitschigen Tönen eingefärbt („tout original, rose du Sahara!“). Auf Postkartenbildern sieht das so aus, als würden die Sandrosen am Ufer des Salzsees „wachsen“, wobei beides nichts miteinander zu tun hat.
Am Ende des Damms Richtung Tozeur steht ein Autowrack neben der Straße, das irgendwann aus dem Chott gezogen wurde. Eine Warnung, die Piste nicht zu verlassen. Die dicke Salzkruste ist teils ähnlich brüchig wie ein vereister See, darunter steht Wasser.

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