Hué

[2004] Bei unserer zweiten Reise besuchen wir auch die ehemalige Kaiserstadt Hué, im letzten Jahr reichte die Zeit nicht. Per Flug kommen wir von Nha Trang bis Da Nang, von da nehmen wir – zugegeben, sehr dekadent aber erschwinglich – ein Taxi für die restlichen 100 km. Die Fahrt über den Wolkenpass kann wegen der unglaublichen Überholmanöver in den unübersichtlichen Serpentinen und einiger liegen gebliebener LKW durchaus als abenteuerlich beschrieben werden. Landschaftlich eine ganz schöne Strecke, aber unserer Meinung nach längst nicht so spektakulär wie der Verfasser unseres Reiseführers meint.

Hué ist eine lebendige Stadt, die alleegesäumten, schattigen Straßen erinnern ein wenig an Hanoi. In der Stadt wohnt es sich recht angenehm und es gibt etliche nette Lokale und Biergärten.
Als erstes besichtigen wir die Zitadelle mit der Kaiserstadt und in deren Inneren der „Verbotenen Stadt“. In Folge des amerikanischen Krieges sind leider nur noch traurige Reste vorhanden. Insbesondere bei der Tet-Offensive war die Zitadelle von Hué schwer umkämpft und wurde teilweise dem Erdboden gleich gemacht. Von den ehemaligen Palästen sind nicht einmal mehr die Grundmauern erkennbar. Die wenigen Gebäude, die noch vorhanden und teils restauriert sind, vermitteln trotzdem einen Eindruck von der damaligen Pracht und sind recht idyllisch gelegen. Beeindruckend ist vor allem die Größe der Zitadelle, innerhalb ihrer Mauern leben heute noch etwa 50000 Menschen.

Hué 1
Gleich neben der Zitadelle liegt der Markt der Stadt. Die Hallen sind zwar ausgesprochen hässlich, aber vor allem außen herum gibt es schöne Marktszenen. Wie kaum auf einem anderen Markt blickt man hier auf ein Meer der typischen Kegelhüte aus Reisstroh, die es im Markt auch in vielen Varianten zu kaufen gibt. 

Ein Tagesausflug bringt uns per Boot über den Parfümfluss zu den verschiednen Pagoden und Kaisergräbern der Umgebung. Leider regnet es fast den ganzen Tag und in der grauen Suppe über dem Fluss ist von der schönen Umgebung nur wenig zu sehen. Die Kaisergräber sind landschaftlich schön gelegen und recht aufwendig gestaltet, gehören aber nicht zu den Sachen, die man in Vietnam unbedingt gesehen haben muss. Die Eintrittsgelder sind dafür, verglichen mit anderen Sehenswürdigkeiten im Land, recht saftig. Wegen des Regens beschränken wir uns dann auch auf die zwei interessantesten Gräber.

Ein weiterer Ausflug geht in die Demilitarisierte Zone entlang des 17. Breitengrades, die ehemalige Demarkationslinie bzw. künstliche Grenze zwischen Nord- und Süd-Vietnam. Die Kleinstadt Quang Tri gelangte zu trauriger Berühmtheit als weltweit der am meisten bombardierte Ort. Von der ehemaligen Stadt blieb nur die Ruine der Kathedrale. Einen weiteren Einblick in die Kriegszeit geben die Tunnel von Vinh Moc. Im Gegensatz zu Chu Chi bei Saigon wurde hier kaum etwas verändert. Ein kurzer Abschnitt ist zu besichtigen und man kann sich schwer vorstellen, dass – neben der militärischen Nutzung - hunderte von Menschen aus dem Dorf über Jahre mehr oder weniger in diesen Tunneln gelebt haben, um den Bombardements zu entgehen.
In Richtung der laotischen Grenze fahren wir in die Berge, eine tolle Landschaft. Von einigen weiteren Kriegsschauplätzen ist zum Glück heute nicht mehr viel zu sehen. Ein Abschnitt des Ho-Chi-Minh-Pfades kann „bestaunt“ werden, allerdings wurde er mittlerweile zum „Ho-Chi-Minh-Highway“ ausgebaut und sieht somit aus wie jede andere beliebige Straße der Gegend. In der Nähe wird dann noch bei einem Dorf der Hmong gestoppt, einem der „Bergvölker“. Diese „Besuche“ haben immer etwas unangenehm zoo-haftes: eine Busladung stürmt kamerabeladen ins Dorf, macht ein paar Bilder und verschwindet wieder, verfolgt vom halben Dorf in der Hoffnung auf ein paar Dong von den Fremden. Nicht unbedingt zu empfehlen. Von der Lebensweise und Kultur bekommt man dabei so gut wie nichts mit, da eine Verständigung kaum möglich ist und ohnehin nur ein paar Minuten für die Besichtigung vorgesehen sind.

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